Tax­onomie

Die immer noch übliche tra­di­tionelle Methodik der Artenbeschrei­bung ist heute nicht mehr unumstritten

Die tra­di­tionelle tax­onomis­che Methodik ist eine Muse­um­sauf­gabe, bei der u.a. Kör­per­struk­turen aus­gew­ertet, Flossen­strahlen gezählt, aber auch Far­b­verteilun­gen beschrieben wer­den. Sie bezieht sich mithin auss­chließlich auf den Phäno­typ, ver­w­ertet also kein­er­lei genetis­che Infor­ma­tion. Eben­falls wer­den Ver­hal­tens­merk­male meis­tens völ­lig unbeachtet gelassen, da abgetötete Tiere (Muse­um­sprä­parate) im Beschrei­bung­sprozess die Haup­trolle spie­len. Wir ken­nen aber auf­fäl­lige Ver­hal­tensun­ter­schiede etwa bei der Balz ver­schiedener Arten, die zweifel­los für die zukün­ftige Sys­tem­atik eine bedeu­tende Rolle spie­len wer­den. Deshalb ist auch die bish­erige Prachtgurami-​Systematik unter erhe­bliche Vor­be­halte zu stellen.

Viele Bere­iche der Biolo­gie haben inzwis­chen diese gravieren­den Beschränkun­gen einer älteren Wis­senschaftsstufe hin­ter sich gelassen. Für die Sys­tem­atik der Blütenpflanzen beispiel­sweise sind genetis­che Infor­ma­tio­nen bere­its heute vielfach uner­lässlich. Die Sys­tem­atik der Vögel wurde vor weni­gen Jahrzehn­ten durch Wis­sen über die DNA, aber auch das ver­gle­ichende Studium der Vogelgesänge weit­ge­hend umgekrem­pelt. Von daher ist damit zu rech­nen, dass neue Meth­o­den der Tax­onomie, die die Struk­turen der Genome und des Ver­hal­tens erschließen, auch die Sys­tem­atik der Pracht­gu­ramis in Zukunft erhe­blich verän­dern wer­den. Schon jetzt ist es aber auf­grund genauerer Ver­hal­tens­beschrei­bun­gen wahrschein­lich, dass die parvulus-​ornaticauda–Gruppe vom Rest der Gat­tung mehr oder weniger abge­trennt wer­den kann bzw. muss.

Den­noch bleibt die klas­sis­che phä­nol­o­gis­che Tax­onomie auch zukün­ftig eine unverzicht­bare Meth­ode der Beschrei­bung von Pflanzen und Tieren. Was durch genaue Betra­ch­tung als deut­lich ver­schieden erkannt wer­den kann, deutet zumin­d­est darauf hin, dass ihm auch genetis­che Unter­schiede zugrund­liegen. Äußere Ver­schieden­heit ist daher sicher­lich in den meis­ten Fällen auch ein Indiz für innere Ver­schieden­heit. Innere Ver­schieden­heit äußert sich in den meis­ten Fällen auch in irgendwelchen äußeren Unterschieden.

Wir möchten deshalb bei aller Kri­tik an der Begren­ztheit der phä­nol­o­gis­chen Tax­onomie keinen Zweifel daran lassen, dass sie nicht nur eine unverzicht­bare Meth­ode der biol­o­gis­chen Beschrei­bung war, son­dern bis heute ist und in Zukunft sein wird. Sie wird auch in der Ichthy­olo­gie durch neue Meth­o­den ergänzt wer­den müssen; völ­lig erset­zen aber kön­nen diese sie nicht.

(PF)

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