Die Wieder­ent­deck­ung des Saphirs aus Bangka: Parosphromenus deiss­neri von Went­ian Shi

Die Wieder­ent­deck­ung des Saphirs aus Bangka:

Parosphromenus deiss­neri

Went­ian Shi, 2018

Mit beson­derem Dank an das P.-Project und Peter Finke, Team Bor­neo und

meine Teamkol­le­gen Ji, Yuhan und Dai, Jianhui

Die Insel Bangka ist eine sehr kleine Insel zwis­chen Suma­tra und Bor­neo, ihre Größe entspricht der Hälfte des deutschen Bun­des­lan­des Hes­sen. Sie bildet eine beson­dere biol­o­gis­che Brücke, wo die Species aus Suma­tra und aus Kali­matan aufeinan­dertr­e­f­fen, woraus eine große Bio­di­ver­sität entsteht.

Als ein Paradies für Labyrinth­fis­che und Zeuge einer bedeu­ten­den Evo­lu­tion in den ver­gan­genen Mil­lio­nen Jahren, beherbergt Bangka zwei Parosphromenus und 5 Betta Spezies. Parosphromenus Deiss­neri (siehe Titelfoto) ist der schwim­mende Saphir von Bangka und eine Leg­ende aus 150 Jahren Geschichte und das Flagg-​Schiff dieser Gattung.

Daneben ist die Insel die Heimat von zwei ursprünglichen Fun­dorten von nomino­typ­is­chen Unter­arten von P. bin­tan, die am weitesten ver­bre­it­ete Art dieser Gat­tung (von Suma­tra über Bangka Beli­tung bis zum Riau Archipel.

3 ihrer 5 Betta Spezies sind hier zuhause: bur­di­gala, chloropha­ranyx und schal­leri, die ersten zwei wer­den als gefährdete Spezies in der IUCN Liste geführt.

Trotz dieser großen Bio­di­ver­sität sind von der kleinen und abgeschlosse­nen Insel Bangka auf Grund der Trans­ports­chwierigkeiten noch nie Fis­che (wie aus Kali­man­tan oder Suma­tra) kom­merziell exportiert wor­den. Spezies wie deiss­neri wur­den nur pri­vat durch Experten wie Linke oder Brown in let­zten 20 Jahren in den Westen gebracht seit sie wieder-​beschrieben wur­den durch Kot­te­lat. (Seit der Erst­beschrei­bung 1859 und der Wiederbeschrei­bung 1998 blieben die Lebens­be­din­gun­gen dieser Spezies 150 Jahre lang unbekannt)

Es gab auf­grund der Unbe­quem­lichkeit der Reisemöglichkeiten kaum Berichte über die Lebens­be­din­gun­gen an den Fun­dorten seit der Erst­beschrei­bung. 2012 führten Zhou aus China, Jun­gle Michael aus Malaysia und Team Bor­neo aus Japan eine Such­ex­pe­di­tion in Bangka durch. Sie unter­suchten alle bekan­nten Habi­tate und fan­den alle 7 bekan­nten Spezies. Ani­miert durch ihren Bericht, entschloss ich mich 2015 selbst, P. deiss­neri zu finden und zu halten.

Aber die Real­ität zu diesem Zeit­punkt war frus­tri­erend. Diese Spezies war nir­gends inner­halb der EU zu finden. Das Parosphromenus — Pro­jekt informierte mich, dass alle Zuchtlin­ien von P. deiss­neri im Westen ver­loren waren (später zeigte sich, dass diese Spezies auf der ganze Welt in Gefan­gen­schaft nicht mehr vorhan­den war); und seit 2009 hatte nie­mand mehr ihre Habi­tate auf der Insel besucht (die Expe­di­tion von 2012 war im Westen unbekannt geblieben). Mit großer Sorge und Unsicher­heit bezüglich dieses leg­endären Fis­ches begann ich meine erste Reise nach Bangka 2016.

2016

Ich kam gemein­sam mit meinen Teamkol­le­gen Ji, Yuhan und Dai, Jianhi (Team N.J.B) im August 2016 in Pangkal Rinang an.Die schwere Zer­störung der Umwelt auf Bangka auf­grund von Minen­pro­jek­ten und Palmöl Plan­ta­gen war bere­its vom Flugzeug aus sicht­bar (Abb.1).

Das bedeutete nichts Gutes für uns. Um P. deiss­neri zu finden woll­ten wir alle bekan­nten Fun­dorte auf­suchen (die uns fre­undlicher­weise von Linke zur Ver­fü­gung gestellt wur­den), beson­ders das Ursprung­shabi­tat. Der wirk­liche Zus­tand des Biotops war weit schlechter als wir erwartet hat­ten. Das Orig­i­nal­habi­tat von Deiss­neri waren die kleinen Neben­flüsse und Sümpfe des größten Flusssys­tems der Insel, im Zen­trum der Insel gele­gen. Dort wur­den sie von Kot­te­lat und Linke 1998 und 2008 in den mit­tleren Bere­ichen diesen Flusses gefun­den, sozusagen im tra­di­tionellen Verbreitungsgebiet.

Aber der gesamte Bere­ich, von der Quelle in den Bergen bis zur Mitte des Gebi­etes wurde in eine gigan­tis­che Palmöl­farm ver­wan­delt (min­destens 50 Quadratk­ilo­me­ter). Die Sümpfe und kleinen Neben­flüsse waren stark vergiftet oder zer­stört durch die Palmölplan­tage (Abb. 2).

Die bei­den bekan­nten Habi­tate waren zerstört.

Der Sumpf mit der ursprünglich großen Pop­u­la­tions­dichte war völ­lig aus­getrock­net. Die kleinen Schwarzwasser­flüsse waren vergiftet durch die Farm und hat­ten sich in flache, schwammige Wasser­läufe ver­wan­delt. (Abb. 3).

Wir ver­suchten durch den verbliebe­nen Wald zu gehen und neue Leben­sräume mit guten Wasser im Gelände ober­halb zu finden, aber was sich hin­ter den Bäu­men ver­barg, war eine neu gebaute Palmöl­farm. (Abb. 4).

Die Ein­heimis­chen hat­ten die Bäume inner­halb des Waldes niederge­brannt, so dass man die Farm von Außer­halb nicht sehen kon­nte. Wir suchten drei Tage lang, aber wir kon­nten kein für Parosphromenus geeignetes Wasser­sys­tem in diesem tra­di­tionellen Ver­bre­itungs­ge­biet mehr finden. Hier fan­den wir nur noch die sehr robuste Betta Art, B. edithae (Abb. 5) , die in fast allen Wasserver­hält­nis­sen überlebt.

Dann wandten wir uns Rich­tung Süden dem Fun­dort der zweiten Deiss­neri Ent­deck­ung zu, wo sie 2012 noch existierten. Aber der Fluss wurde 2015 völ­lig vergiftet von einer neuen Palmöl­farm, direkt am Fluss. Der Wald war niederge­brannt, und eine Pump­sta­tion für die Pal­men stand direkt am Fun­dort der Ent­deck­ung von 1998 (Abb. 6).

Obwohl die Wasserver­hält­nisse und Wasserpflanzen sich 2016 wieder erholt hat­ten (pH 4,8, GH>0,5) (Abb. 7)

und viele Fis­charten zurück­gekehrt waren, hatte sich die Pop­u­la­tion von P.deissneri nicht wieder eingestellt. Wir suchten hier drei Tage lang und fan­den nur B. edithae, Belon­tias, Chan­nas und Ras­b­o­ras. Da alle bekan­nten Fun­dorte ver­loren waren, mussten wir unsere Suche nach P. deiss­neri aufgeben und beschlossen das andere wichtige Juwel von Bangka zu fan­gen, Betta bur­di­gala (Abb. 8).

Diese rote, nur hier vork­om­mende Spezies, der schwim­mende Rubin von Bangka, ist extrem sel­ten, da er nur ein einziges Habi­tat auf der gesamten Insel bewohnt, ein kleiner Schwarzwasser­sumpf auf dem ent­fer­n­ten Ende der Insel Glück­licher­weise fan­den wir diesen Sumpf in per­fek­tem Zus­tand vor, mit per­fek­tem klaren Schwarzwasser (Abb. 9).

Unglück­licher­weise war der Sumpf so gesund, dass der Wasser­spiegel zu hoch war, um kleine Betta aus dem coc­cina Kom­plex zu fan­gen. Nur 2 Exem­plare kon­nten 2012 gefan­gen wer­den, und wir hat­ten dies­mal nicht das Glück auf unserer Seite. Aber wir fin­gen Chloropha­ranyx und waren überzeugt, dass Bur­di­gala hier immer noch schwamm.

Am let­zten Tag beschlossen wir, die Habi­tate nach B. schal­leri und P. bin­tan abzusuchen. Die Leben­sräume dieser zwei Spezies waren rel­a­tiv gut vor men­schlichen Aktiv­itäten geschützt. Wir ent­deck­ten einen neuen Fluss mit sauberem Wasser, wo Schal­leri und Bin­tan gemein­sam lebten (Abb. 10, 11a, 11b).

Es war ein tiefer (1m nahe dem Ufer) schnell fließen­der kleiner Fluss mit leichtem Schwarzwasser. Der pH Wert lag bei 5.1 mit küh­lem Wasser, um die 2627° C mit­tags. Er war am Ufer stark mit Pflanzen bewach­sen (Abb. 12)


und im Wasser wuchs eine große Kolonie von Cryp­tovoryne loni­cauda und bankaen­sis, die vie­len Fis­charten Schutz bot (Abb. 13 a,b,c).

In diesem kleinen Habi­tat fan­den wir 15 Fis­charten, eingeschlossen Bar­ben, Goby, Schmerlen, junge Welse u.s.w. Dies stand für mich für die wahre Bio­di­ver­sität der Tropen. Und an diesem Ort trafen wir einen uner­warteten sel­te­nen Gast: Sun­dadanio gar­gula (Abb. 14). Der ursprüngliche Sun­dadanio Bangkas.

Es war das erste Mal, dass lebende Exem­plare dieser Spezies fotografiert wer­den kon­nten. Meine erste Reise nach Bangka endete mit großer Sorge um die Umwelt dieser kleinen Insel und beson­ders um die Über­leben­schance von P. deiss­neri.

2017

Obwohl alle bekan­nten Fun­dorte von deiss­neri ver­loren waren, wollte ich nicht aufgeben. So suchte ich monate­lang auf Karten nach möglichen Habi­taten dieser Spezies und kam mit Hilfe von P. Finke in Kon­takt mit Team Bor­neo. Sechs Monate später kam ich zum zweiten Mal in Bangka an, im März 2017, zusam­men mit meinem Teamkol­le­gen Ji. Wir begaben uns direkt zum Fun­dort des neuen Holo­typen deiss­neri. Dies­mal fuhren wir um die Palmöl­farm herum, mehr flussaufwärts.

Dann gin­gen wir zu Fuß am Fluss ent­lang durch den Wald zu einem schmalen Neben­fluss der noch nicht von der Farm vergiftet war. Ich schaffte es beim ersten Ver­such, ein wun­der­schönes männliches Exem­plar mit langem Fil­a­ment an der Schwanzflosse (Abb. 15 a,b) zu fangen.

Was für eine Ent­deck­ung! Endlich hat­ten wir diesen Fisch wieder­ent­deckt! Das Wasser ist klar, nicht schwarz, mit einem pH Wert von 5,1, EC um 6 uS/​m und einer Wassertem­per­atur von 27.8°C. Das Ufer­gelände ist ca. 0,51,2 m tief und stark bewach­sen mit Pflanzen. Die Fis­che ver­steck­ten sich zwis­chen den Pflanzen oder in Höhlen unter dem Wald (Abb. 16 a,b,c).

Daneben fan­den wir viele Ras­b­o­ras, Schokogu­ramis (Abb. 17) ,

Betta edithae, Betta simo­rum etc. zusam­men mit den Deiss­neris. Aber die Pop­u­la­tions­dichte von Deiss­neri war in diesem Habi­tat extrem niedrig. Wir kon­nten nur weniger als 10 Exem­plare fan­gen. Der Grund war, dass sich die Wasserver­hält­nisse geän­dert hat­ten. Früheren Berichten nach lebten Deiss­neri in Schwarzwasser.

Auch dieses Wasser­sys­tem war 2008 noch schwarz. Aber 2017 wan­delte sich das Wasser stro­maufwärts in Klar­wasser, verur­sacht durch Ent­wal­dung. Die Parosphromenus kön­nen sich an Klar­wasser anpassen, erre­ichen aber keine so hohe Pop­u­la­tion wie in Schwarzwassersystemen.

Danach beschlossen wir, das Orig­i­nal­habi­tat des alten Holo­ty­pus aufzusuchen, wo er vor 150 Jahren ent­deckt wurde. Es liegt stromab­wärts in der gle­ichen Region, wie das ursprüngliche Verbreitungsgebiet.

Aber die Entwick­lung der kleinen Stadt und der Mine in der Nähe hat den Wald und den Fluss zer­stört. Kein Parosphromenus war mehr in seiner ursprünglichen Heimat zu finden.

Die fol­gen­den Tage suchten wir wieder ent­lang des Flusses im ursprünglichen Ver­bre­itungs­ge­biet zwis­chen der 1899 gefun­de­nen Posi­tion flussab­wärts und dem mit­tleren Gebiet von 1998. Aber alle meine Fun­dortkan­di­taten versagten.

Wir schafften es, einen wun­der­schö­nen, sehr ursprünglichen Sumpf zu finden.

Der Wald hier war per­fekt erhal­ten. Wir sahen sogar eine Gruppe Affen herum­sprin­gen (Abb. 18 a,b).

Aber das Wasser war selt­sam, halb sauber und halb dreckig. Ich ver­mutete, dass Ein­heimis­che flus­saufwärts dabei waren, den Wald abzubren­nen und Kanäle für Ölpal­men zu graben, was Teile des Wasser­vor­rates des Sumpfes hier vergiftete.

(Abb. 19).

Aus diesem Grund kon­nten wir hier keine typ­is­chen Schwarzwasser­fis­che mehr finden.

Danach begaben wir uns zu dem Sumpf der Bur­di­gala. Unglück­licher­weise war dieser wun­der­bare Sumpf inner­halb eines hal­ben Jahres durch ille­gale Wald­ab­holzung teil­weise zer­stört (Abb. 20)

Was übrig blieb, kon­nte nicht mehr so viel Wasser hal­ten wie zuvor. Die riesige Kolonie von Cryp­to­co­ryne bankae­n­e­sis stromab­wärts war eben­falls teil­weise zer­stört durch die schlechten Wasserver­hält­nisse (Abb. 21).

Die Wasser­tiefe war auf durch­schnit­tlich 30 cm abge­sunken. Es war ideal um Bur­di­gala (Abb. 22) zu fan­gen, ver­sprach aber keine strahlende Zukunft für diese Spezies, da dieser Sumpf ihren einzi­gen Leben­raum darstellt

Vier Tage nach meiner Ankunft stieß Team Bor­neo zu uns. Wir gin­gen zu ihrem geheimen Fun­dort, welcher unsere einzige Hoff­nung im tra­di­tionellen Ver­bre­itungs­ge­biet von Deiss­neri war, wo wir 2012 Hun­derte von Exem­plaren gefan­gen hatten.

Aber die Umwelt hatte sich drama­tisch verän­dert. Der ehe­ma­lige Wald war durch Palmölplan­ta­gen ersetzt. Der ursprüngliche Schwarzwasser­fluss war nun ein halb trock­ener schlam­miger Fluss, dessen Wasser in Bewässerungskanäle für Ölpal­men geleitet wurde (Abb. 23).

Nichts war mehr da.

Sie führten uns dann zu ihrem Fun­dort des mys­terösen östlichen Typus von Deissneri.

Die Flüsse dieses Typus wur­den bere­its durch Zin­n­mi­nen vor 10 Jahren vergiftet (Abb. 24).

Nun war auch der verbliebene Wald hier abge­brannt wor­den um Häuser zu bauen.

Wir beschlossen in der Gegend meines neuen Fun­dortes zu suchen. Wir fan­den ein paar Kilo­me­ter von meinem Fun­dort ent­fernt einen riesi­gen Sumpf in der Nähe weit­erer großer Palmöl­far­men. Aber hier gab es keine Deiss­neri. (Abb. 25).

Wir bestätigten, dass die aktuelle Ver­bre­itung der Deiss­neri sich auf den Bere­ich ganz oben flus­saufwärts beschränkt.

Wir kehren zu den kleinen Neben­flüssen im Ober­lauf zurück und fan­den zwei weit­ere kleine Habi­tate. Das Prob­lem ist, dass die Habi­tate alle nur noch fragmentarisch

und schon teil­weise durch die men­schlichen Aktiv­itäten in der Gegend bee­in­flusst sind.

Der Regen­wald und die Sümpfe sind zu klein. Das ursprüngliche Schwarzwasser hat sich in Klar­wasser umge­wan­delt. Der Fisch kämpft darum, sich an die neuen Ver­hält­nisse anzu­passen. Daher ist die Pop­u­la­tions­dichte hier sehr niedrig.

Schlussendlich beschlossen wir, in das Herz von Bangka vorzu­drin­gen, welches noch nie wis­senschaftlich unter­sucht wurde, um nach neuen Leben­sräu­men von Bur­di­gala oder Deiss­neri zu suchen. In diesem ursprünglichen Land fan­den wir erfol­gre­ich drei weit­ere Leben­sräume von Deiss­neri und fin­gen dort auch B. simo­rum und B. chlor­pha­ranyx. (Abb. 26,27).

Eins der neuen Habi­tate ist ein Schwarzwasser­sumpf, der ver­steckt in einem unberührten Regen­wald liegt (Abb.28).

Es ist der let­zte Schwarzwasser­leben­sraum von Deiss­neri, den wir gefun­den haben. Die Fis­che aus diesen Wasserkon­di­tio­nen zeigten nach dem Fang eine großar­tige dunkel­blaue Fär­bung, wie ein Saphir (Abb. 29).

Ein halbes Jahr später kehrte ich noch ein­mal mit meinem Teamkol­le­gen Dai zurück, weil wir uns um den Zus­tand dieser Habi­tate Sor­gen machten. Die Szenen die wir jetzt sehen mussten waren frus­tri­erend. Der Prozess der Ent­wal­dung von Bangka ist so rasend schnell, dass in 6 Monaten bere­its einer der neu ent­deck­ten Leben­sräume von Deiss­neri niederge­brannt war (Abb. 30).

Die ille­gale Abholzung war auch in den Leben­sraum von Bur­di­gala vorge­drun­gen, der Wasser­stand auf nicht mehr als 10 cm abge­sunken. Die Bur­di­gala kämpften in dem flachen schlam­mi­gen Wasser ums Überleben.

Unsere Hoff­nung war das tiefe Waldin­nere, wohin die Ein­heimis­chen noch nicht vorge­drun­gen waren. Wir unter­suchten auch das Habi­tat von Bin­tan. Es war eben­falls in Gefahr, die Leute bauten Häuser am Habi­tat und kon­stru­ierten einen Stau­damm durch den Fluss (Abb. 31).

Die Pop­u­la­tion von Bin­tan war stark zurück­ge­gan­gen. Unter­halb des Dammes waren keine Bin­tan mehr zu finden. Nur wenige kon­nten wir flus­saufwärts fangen.

Wir schafften es noch einen riesi­gen intak­ten Sumpf mit einer hohen Pop­u­la­tions­dichte von Bin­tan zu finden (Abb. 32).

But how fur­ther can we go next time? The island is lim­ited. We can’t expect for hid­den vir­gin land for­ever. With­out pro­tec­tion, the loss of all habi­tats is only a mat­ter of time.

2018

Aber wie weit kön­nen wir das näch­ste Mal gehen? Die Insel ist begrenzt. Wir kön­nen nicht erwarten immer wieder jungfräuliches Land zu finden.

Ohne Schutz ist der Ver­lust der Leben­sräume nur eine Frage der Zeit.

2018

Ich fuhr ein halbes Jahr später zum vierten Mal nach Bangka, im April 2018. Die ille­gale Abholzung im Habi­tat der Bur­di­gala schien gestoppt und der Wasser­spiegel hatte sich vol­lkom­men erholt.

Die örtliche Polizei hatte ein Warn­schild aufgestellt. Es sug­gerierte, dass die lokale Regierung schließlich Maß­nah­men ergrif­fen hatte. Darum glaube ich, dass dieses Habi­tat wenig­stens die näch­sten 5 Jahre über­leben wird.

Auch die Habi­tate von Deiss­neri schienen mehr oder weniger unverän­dert. Aber die Erhal­tung dieser Leben­sräume war nur das Resul­tat des Zufalls und ist direkt bedroht.

Einige neue Kon­struk­tio­nen der Palmölplan­tage in der Nähe des neuen Fun­dorts sind bere­its im Gange (Abb. 33).

Ein weit­eres Habi­tat einer Betta Spezies war in der Zwis­chen­zeit zer­stört wor­den (Abb. 34).

Insofern bin ich nicht sicher, wie lange diese Habi­tate bei der Expan­sion von Palmöl­far­men und Zin­n­mi­nen der Bedro­hung durch men­schliche Aktiv­itäten stand­hal­ten können.

Jedoch fand ich die Deiss­neri mit großer Freude wieder, ger­ade in dem Moment, als mir in sor­gen­voll klar wurde, dass sie sich in großer Gefahr befinden.

Hal­tung und Zucht im Aquarium

Die Hal­tung und Zucht von P. deiss­neri im Aquar­ium ist nicht schwierig.

Es gibt keine speziellen Bedürfnisse dieser Art im Ver­gle­ich mit anderen Parosphromenus. Sie sind nicht aggres­siv und kön­nen in einer Gruppe von 810 Fis­chen in einem 50l Aquar­ium (60×30 Stan­dart­größe) gehal­ten wer­den (Abb. 35).

Das Män­nchen erre­icht eine Länge von 4 cm, mit einem sehr lan­gen Fil­a­ment an der Schwanzflosse, welches sel­ber eine Länge von 0,51,0 cm erre­ichen kann.

Das Weibchen ist etwas kleiner, ohne Blaufär­bung der Flossen, aber dunkel­rot in der Mitte der Schwanzflossse. Das Weibchen hat eben­falls eine kleine Spitze an der Schwanzflosse, etwa 1 mm lang. Die Deiss­neri sind sehr robust. Sie kön­nen sich an ver­schiedene Wasser­w­erte anpassen, sogar an hartes Wasser mit einer Gesamthärte von 1520. Sie reagieren in Gefan­gen­schaft nicht sehr empfind­lich auf anor­gan­is­che chemis­che Wasser­pa­ra­me­ter. Aber natür­liches weiches saures Wasser entspricht den Fis­chen mehr, nur dann zeigen sie ihr Metallblau.

Ich halte sie in Schwarzwasser mit einem pH zwis­chen 5 und 5,5, GH 23.

Auf der anderen Seite sind die organ­is­chen Fak­toren sehr wesentlich, was heißt, dass die Nitri­fika­tion gut funk­tion­ieren muss.

Deiss­neri sind nicht sehr wäh­lerisch, was das Fut­ter angeht. Sie akzep­tieren alles an Lebend­fut­ter: Artemi­anau­plien, Grindal, Moina, Mück­en­lar­ven etc.

Die größte Her­aus­forderung bei der Hal­tung von wildge­fan­genen Deiss­neri ist, Odinium und Weißpünk­tchenkrankheit zu ver­mei­den. Sie wer­den sehr leicht von diesen Krankheiten befallen. Regelmäßiger Wasser­wech­sel ist nötig und eine frühe Behand­lung der Krankheit ist wichtig. Mit der richti­gen Medika­tion kön­nen sie im Früh­sta­dium schnell geheilt wer­den. Die im Aquar­ium aufge­zo­gene Nachzucht­gen­er­a­tion ist viel stärker gegen Odinium gewapp­net. Sie erkrankt sel­ten. Sie erre­ichen ein Alter von 23 Jahren. Ich bin mir über die Lebenss­panne in Gefan­gen­schaft nicht sicher, da die Wild­fangex­em­plare nach 2 Jahren noch aktiv sind.

Sie soll­ten nicht über 28°C Wassertem­per­atur gehal­ten wer­den. Sie kön­nen auch Tem­per­a­turen über 32 Grad über­leben, aber es ist nicht natür­lich für sie und würde ihre Lebenss­panne verkürzen. In Frei­heit leben sie in küh­lem Wasser. Sogar in der Trocken­zeit hat das Wasser gegen Mit­tag nicht mehr als 2728 °C. In der Nacht fallen die Tem­per­a­turen auf um die 20 Grad oder weniger. Nach meiner Erfahrung ist in nor­mal geheizten europäis­chen Woh­nun­gen eine Aquar­i­umheizung selbst im Win­ter nicht nötig.

Dies wird erst bei Wassertem­per­a­turen von 1618 °C notwendig.

Um Nach­wuchs zu erhal­ten, ist ein Extra­becken für ein einzelnes Paar rat­sam. Es braucht nicht größer als 10-​20l zu sein, aber je größer das Becken ist, desto besser für das Weibchen und den Beginn der Balz. Die Balz dauert min­destens 23 Tage (Abb. 36, 37).

Die Paarung dauert ein paar Stun­den (Abb. 38).

Das Weibchen ver­lässt die kleine Höhle und das Män­nchen bewacht die Eier in einem Unter­wasser­schaumnest. (Abb. 39).

Das Män­nchen greift in diesem Zeitraum das Weibchen an. Ist das Becken zu klein, kann das zu Ver­let­zun­gen des Weibchens führen. Nach 68 Tagen ist die neue Gen­er­a­tion waagerecht schwimm­fähig . Sie bleiben für weit­ere 23 Tage (Abb. 40) im Nest.

Entweder trennt man sie jetzt von den Eltern oder man lässt die näch­ste Gen­er­a­tion kom­men. Die Jun­gen haben unge­fähr eine Größe von 12 mm. Sie benöti­gen in der ersten Woche kleines Erst­fut­ter wie Para­me­cium oder kleine Artemianauplien.

In den let­zten zwei Jahren habe ich Bangka vier Mal besucht. Ich habe die drama­tis­che Umweltzer­störung, die auf dieser Insel stat­tfindet erlebt. Palmölplan­ta­gen verur­sachen die schlimm­sten Schä­den am Regen­wald. Dies passiert nicht nur auf Bangka, son­dern über­all im gesamten Indone­sien. Für so eine kleine Insel kann der Ver­lust eines Sumpfes den endgülti­gen Ver­lust einer Spezies bedeuten. Die Natur hat Mil­lio­nen Jahre gebraucht um die wun­der­volle Bio­di­ver­sität auf Bangka zu erschaf­fen, und es mag nur ein paar Dekaden dauern, dies alles zu verlieren.

Was kön­nen wir Wasser – Fans tun um so eine Tragödie zu verhindern?

Ich denke, die beste Antwort, die Habi­tate vor men­schlicher Ein­wirkung zu schützen ist, sie den Ein­heimis­chen abzukaufen. Dies ist ebenso das Stan­dard­vorge­hen bei Schutzpro­jek­ten für den Orang-​Utan und die Tiger in Indone­sien. Die großen Säugetiere bekom­men viel öffentliche Aufmerk­samkeit, aber nicht die kleinen Fis­che wie Parosphromenus oder Betta unter Wasser. Daher mag ein pri­vates Erhal­tungs­ge­biet speziell für kleine Fis­charten entschei­dend sein für ihr Überleben.

Beispiel­sweise haben meine japanis­chen Fre­unde ein kleines Stück Land erstanden. Hier wird eine Betta Art geschützt. Dies hat sich als wirkungsvolle Maß­nahme erwiesen.

Dies ist auch ein Ziel des Parosphromenus Pro­jek­tes, öffentliche Aufmerk­samkeit zu erzie­len und Schutzge­bi­ete für diese Spezies zu etablieren.

Trans­lated from eng­lish to ger­man by Dorothee Jöllenbeck-​Pfeffel, juli 2018

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